Traumabonding

 

1. Du hast dich umfassend über Narzissmus informiert.

2. Du kennst alle Webseiten über Narzissmus?

3. Du bist in Therapie, machst jedoch keine Fortschritte?

4. Du denkst oft an Suizid, weil du dein Leben als sinnlos erachtest?

5. Im Alltag herrscht Chaos. Du kannst nichts mehr essen, nicht schlafen, und nicht mehr     arbeiten?

6. Dein Selbstwert hat den Nullpunkt erreicht?

7. Du trägst Masken, weil du glaubst, ihm damit besser zu gefallen?

8. Du willst ständig etwas klären?

9. Du glaubst, nicht liebenswert zu sein und um Liebe kämpfen zu müssen?

10. Du denkst, ohne ihn verloren zu sein?

11. Du fragst dich, was du tun kannst, um ihn an dich zu binden?

Wenn du an einen Narzissten geraten bist, dann wirst du den toxischen Kreislauf durchlaufen. Er wird dich nicht achten, nicht lieben und nicht gut behandeln. Du kannst ihn behalten, wenn du dich vollständig und nachhaltig aufgibst.

Ich würde dir raten, in No contact zu gehen, um dir weiteres Leid zu ersparen. Ich würde dir raten, auf dich zu schauen und deine Wunden selbst zu versorgen, dich zu lieben und wertzuschätzen, aber ich weiß, dass du das jetzt nicht hören willst. 

Lass dir gesagt sein, dass ein Marathon und kein romantischer Spaziergang vor dir liegt. Du wirst dich in weiteren Verstrickungen und Abhängigkeiten wiederfinden, aber mit meinen Tipps kannst du ihn behalten.

(Ich schreibe aus Sicht der Frau. Männer drehen es einfach um. Es macht keinen großen Unterschied. Die Narzisstische Persönlichkeitsstörung ist genderneutral.)

Ein Mensch mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung ist immer manipulativ, paranoid, selbstbezogen, kritikunfähig, leicht kränkbar, rechthaberisch und emotional unempathisch. Er "scannt" Menschen mittels kognitiver Empathie und weiß dadurch sehr schnell, wie er sich jemandem nähern kann.

Wenn du mit einem Narzissten leben willst, kommst du nicht umhin, regelmäßig zu leiden. Durch seine Paranoia und der Projektion, wird er dich tiefen Schmerz fühlen lassen.

Jeder kann an einen Narzissten geraten, aber nicht jeder bleibt. Hier lohnt es sich genauer hinzuschauen. Woher kennst du entwertendes Verhalten? Wie gingen deine Eltern und andere Bezugspersonen damals mit dir um? 

Narzissten strahlen Selbstbewusstsein aus, sind aber im Inneren meist völlig fragil. Der verdeckte Typus (vulnerabel, fragiler Typ) ist schwer zu erkennen und deshalb sehr gefährlich. Er vermeidet das Fühlen seines brüchigen Selbst, weshalb er dich nach der Lovebombingsphase entwertet. Damit erhöht er sich. Der narzisstische Kreislauf beginnt: Lovebombing, Entwertung, Discard, Hoovering. Ein Narzisst hoovert nur dann, wenn du ihm noch gut als Energiespender dienen kannst. Anderenfalls bist du für ihn erledigt.

Der maligne Typus (offener Narzisst) verfügt über ein übersteigertes Selbstwertgefühl. Ihn erkennst du schneller. Stehst du auf diesen Typen, dann wirst du erfahren was es bedeutet, absichtlich gequält zu werden. Einfach so. Der maligne Narzisst empfindet Spaß dabei, wenn andere leiden. Er liebt es, Macht und Kontrolle auszuüben, indem er sein Gegenüber mit voller Absicht ungespitzt in den Boden rammt. Er fühlt sich am wohlsten, wenn du dich in deine Einzelteile auflöst. Danach zieht er ungerührt weiter. Hier bleibt das Hoovering aus, weil er von Beginn an mehrgleisig fährt und nicht nur Energie aus dir zieht, sondern sich gesellschaftlich unabdingbar macht. Narzissten gieren nach narzisstischer Zufuhr und dafür tun sie einiges.

Aus dem Tagebuch meiner Freundin Susanne, die zweieinhalb Jahre mit einem verdeckten Narzissten liiert war: (Vollständige Lesung unter: https://www.digistore24.com/product/391057)

Wir sitzen bei Kerzenschein in einer Nische am romantisch gedeckten Zweiertisch. Er schaut mir in die Augen, nimmt zärtlich meine Hand und lächelt verträumt:

"Ich finde es Schade, dass ich dich erst so spät kennengelernt habe. Meine letzte Beziehung war furchtbar. Sie war krankhaft eifersüchtig. Nicht auszuhalten. Ich hatte ihr einen Therapieplatz besorgt, aber sie wollte meine Hilfe nicht. Aus Sorge hatte ich herauszufinden versucht, warum sie durchdreht, wenn ich ein Wochenende bei meiner Mutter verbringe. Sie hätte mitfahren können, aber das wollte sie nicht, weil sie sich mit meiner Mutter nicht verstand. Meine Mutter ist hinterhältig und manipulativ. Sie hat ihr immer zu verstehen gegeben, dass es andere Frauen gibt, was nicht stimmte, aber meine Ex hat es geglaubt. Wer weiss was aus uns geworden wäre, wenn wir uns früher begegnet wären".

Ich hing an seinen Lippen und empfand tiefe Liebe für diesen Mann, der seiner Mutter aus Liebe nicht den Rücken gekehrt hat, wie ich meinte, und auch nicht dieser verrückten Frau, obwohl er so viel Stress hatte. Niemals wollte ich ihn so behandeln, alles Unglück würde ich von ihm fernhalten, ihm meine Seele schenken, mein Herz und meinen Verstand.

“Versprich mir” hörte ich seine warme Stimme und sein liebes Gesicht ruhte auf meinem. “Versprich mir bitte, dass das mit uns nie endet. Ich meine, die Basis unserer Beziehung ist eine tiefe Freundschaft. Für eine feste Zweierbeziehung bin ich im Moment nicht bereit. Es hat mich viel Kraft gekostet mit der Ex und ich muss in meiner Mitte bleiben, weil meine Arbeit wichtig ist. Mich werfen Beziehungsprobleme aus der Bahn. Wir beide haben eine tolle Zeit. Bitte lass es nie enden. Man weiß ja nie, was die Zukunft bringt.”

Siehst du, was meine Freundin nicht sah? Ein Mann verhält sich nonverbal völlig konträr zu seinen Worten. Studien haben ergeben, dass wir zu 19%  dem gesprochenen Wort folgen! 55% mache die Körpersprache aus und 26% die Stimme. Das bedeutet, dass ein Bruchteil vom Inhalt bei dir ankommt, wenn du nicht bewusst auf das große Ganze achtest.

Ich beziehe mich auf die Geschichte meiner Freundin, weil ich ihren Zerfall miterlebte. Über Narzissmus hatte ich Vorerfahrung in bezug auf Straftäter, weil ich bei der Kriminalpolizei im Bereich K1 tätig war. Privat kam ich auf das Thema Narzissmus insbesondere durch die verheerende Beziehung meiner Freundin Susanne.

Weiter aus Susannes Tagebuch: 

Susannes Geliebter hat von Beginn an gesagt, dass er für eine Beziehung nicht zur Verfügung steht. Alles was sie hörte war, was er ihr zeigte. Wie er mit ihr umging. Zärtlich, liebevoll, aufmerksam, zugewandt. Er führte eine schmerzhafte Beziehung in seiner Vergangenheit an, die es ihm unmöglich machte, eine neue Beziehung zu führen. Damit heizte er Susannes verschüttetes Helfer- und Rettersyndrom an. Unbewusst merkte sie, dass etwas schief lief, aber sie konnte es nicht einordnen, weil er Gaslighting betrieb. Er verwirrte sie, indem er sich anders gab, als er sprach. Er blieb stets unverbindlich, aber während der Treffen gab er Vollgas.

Auszug aus ihrem Tagebuch:

Nach drei langen zermürbenden Tagen meldete er sich wieder. “Hallo Süße, wie geht's dir? Was machst du?” Ich wollte ihn anbrüllen, warum er sich nie am Wochenende meldet. Er arbeite so viel und müsse am Wochenende  allein sein, sagte er immer. Ich verstehe das nicht! Wenn man sich liebt, will man jede freie Minute zusammensein. Ich will es doch. Warum sollte er es nicht wollen? Wie er meine Hand hält, mit mir spricht, mit mir schläft! Warum meldet er sich drei ganze Tage nicht? Wie kann er abschalten? Ich falle immer tiefer. Ich verstehe es nicht. Für ihn habe ich alles aufgegeben. Meinen tollen Mann, mein schönes Haus, mein großes Auto. Ich gebe uns diese Chance. Warum kann er mich immer wieder ausblenden? Was sehe ich nicht? Er arbeitet hier, wohnt aber weiter weg. Mir macht das nichts aus. Gern wäre ich mit ihm gependelt, aber er bietet es nicht an und ich frage nicht, um nicht aufdringlich zu sein.

“Ich habe dich so lieb. Du tust mir gut. Meine Lebensqualität ist viel größer, seit ich dich kenne. Ich habe Angst, wieder eine feste Zweierbeziehung zu führen, weil ich dich nicht verlieren will. Nach einer Trennung ist alles vorbei. Keine meiner Ex-Freundinnen will etwas mit mir zu tun haben. Aber wir werden immer somiteinander zusammen sein.”

Susanne: “Dabei hielt er wie immer meine Hand, streichelte sie, schaute sehnsüchtig und melancholisch in die Ferne und sprach die wohlüberlegten Worte. Mich stört, dass er immer wieder das Wort “Freundschaft” gebraucht, ebenso wie Zweierbeziehung. Für mich gehören zu einer Beziehung zwei. Dass man das betonen muss, ist mir fremd. Manchmal sage ich, dass ich unsere “Freundschaft” auch außergewöhnlich schön finde. Dann sagt er, ich sei gefühlskalt, weil wir viel mehr als Freunde sind. In diesen Momenten spüre ich seine Angst, mich zu verlieren und entspanne mich.”

Susanne hat viele Fehler gemacht. Dass man im Hormonrausch hört, was man hören will, sieht, was man sehen will und tut, worüber andere den Kopf schütteln, ist normal.  Solange niemand darunter leidet, ist alles in Ordnung. Ist man jedoch an einen Narzissten geraten, ist das eine ganz andere Dimension. Der Partner wird am Ende meist völlig zerstört zurückgelassen. Ein perfides und gefährliches Spiel für Leib und Leben des Partners.

Aus Susannes Tagebuch:

“Inzwischen bin ich völlig am Boden. Ich muss mich zum essen zwingen. Gespräche mit Angie drehen sich nur um ihn. Sie ist genervt, drängt auf Kontaktabbruch. Ich leide. Fühle mich wie unter Wasser, gefangen in einem Sog, der mich in die Tiefe zieht. Alle Versuche, mich zu retten, scheitern. Ich komme nicht von ihm los, lebe nur noch für die wenigen Stunden mit ihm. Ich bin handlungsunfähig, arbeitsunfähig. Versuche, mit letzter Kraft, die Fassade aufrechtzuerhalten. Sehe den schwarzen Abgrund vor mir und fühle mich nicht in der Lage, einen Schritt zurückzutreten. Mittlerweile ist die Vorfreude, ihn zu sehen größer, als ihn zu sehen. Der Schmerz ist mein ständiger Begleiter. Alles tut weh. Ich sehe ihn und denke, wie er die andere Frau berührt. Spüre seine Lippen auf meinen wie Feuer brennen und kann nicht aufhören, ihn zu küssen. Ich spiele ihm die Starke vor, weil ich weiß, dass er ein Wrack nicht lieben würde. Aber ich bin ein Wrack, total verloren. Für einen Abend mit ihm halte ich Woche für Woche durch.”

Das war der Tiefpunkt. Susanne konnte die Sinnlosigkeit ihres Handelns nicht mehr erkennen. Fixiert und verstrickt in eine Illusion. Abhängige Frauen sehen das nicht. Toxische Beziehungen bergen ein hohes Suchtpotenzial durch die heiß-kalt-Spielchen. Der Narzisst ist die Droge und du die Süchtige. Ohne Kontaktabbruch ist es sehr schwer, zu entgiften.

Susannes Tagebuch (aus welchem später zwei Bücher entstehen werden):

“Ich sitze am Waldrand. Mein Handy klingelt und ich sehe seinen Namen. Durch meinen müden Körper jagt ein Stromstroß, doch ich gehe nicht ran. Irgendwas in mir treibt mich zur Rebellion. Ich sterbe, wenn das nicht aufhört. Ich fühle mich alt und krank, kann nicht essen oder schlafen. Manchmal kann ich nicht einmal mehr weinen. Der Schmerz hat mich völlig in Besitz genommen. Ich denke an ihn und sehe seine andere Freundin. Wie er mit ihr ißt, wie er mit ihr schmust, wie er mit ihr schläft. Ich hänge herum, hänge durch un es ist mir egal, dass alles den Bach runtergeht.”

Mein Fazit: Unsere Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt. Wir reden nächtelang, ich komme nicht an sie heran. Sie nimmt ihn in Schutz, wenn ich ihr die Augen öffnen will. Ich bekomme Angst um sie, aber sie schlägt alles aus. Sie will nur über ihn reden. Immerzu analysiert sie die Lage. Ich zweifele an ihrem Verstand und suche Rat bei einer Psychologin. Finde keine Antwort und bestelle nun Literatur. Alle Informationen, die ich kriegen kann, besorge ich mir. Es nützte nichts. Sie hält zu ihm. Sie hätte unsere 25-jährige Freundschaft auf den Scheiterhaufen geworfen, wenn ich nicht eingelenkt hätte. Es war mir klar, dass sie völlig den Verstand verloren hat. Susanne, die ich kannte, gab es nicht mehr.

Hier wird deutlich: Destruktive Beziehungen sind gefährlich. Leidet man emotional über eine lange Zeit, gesellen sich körperliche Beschwerden hinzu, wobei Kopfschmerzen, Übelkeit, Magengeschwüre noch die kleineren Probleme darstellen. Das Immunsystem wird geschwächt, ständig Adrenlin ausgeschüttet. Kein Organismus kann dem auf Dauer standhalten.

Aus ihrem Tagebuch:

“Zum wiederholten Mal schreie ich ihn an, als hätte ich meine gute Erziehung vergessen. Ich werfe ihm vor, dass er mein Leben zerstört hat, mich benutzt, mir etwas vorgemacht und sich nebenbei eine andere Beziehung aufgebaut hat. Von ihm kommt gespielte Betretenheit. Er sagt, dass er mir von Anfang an gesagt hat, dass er keine feste Beziehung will. Dass ich mein Leben selbst zerstört habe und er damit nichts zu tun hat, ihn keinerlei Schuld trifft. Er räumt nicht ein, dass er zu weit gegangen ist. Dass er mich belogen und betrogen hat. Es kommt kein Verständnis von ihm, nichts, was mich aufrecht halten könnte, was mich trösten würde, gar nichts. Stattdessen ignoriert er meinen Wunsch zum wiederholten Mal, mich in Ruhe zu lassen. Ich bin nicht stark genug, dem mit Ignoranz zu begegnen. Seine Worte gehen mir nah. Er sagt, dass er ohne mich keine Lebensqualität. Dass es sich anfühlt wie sterben, wenn ich gehe. Ich kann nicht anders, als “seine gute Freundin” zu bleiben, denn ich kann mir auch nicht vorstellen, ohne ihn zu sein.”

Susannes Freund hat ihr zu Beginn das Versprechen abgenommen, immer und ewig befreundet zu sein. Ein Narzisst weiß, dass er dich an der Angel hat, weil sich empathische Menschen an ihre Versprechen gebunden fühlen. Pass auf, WEM du WAS versprichst! Susanne will großzügig sein. Sie will die Besondere in seinem Leben bleiben. Deshalb quält sie sich, verstellt sich, leidet, aber sie lässt ihn nicht fallen. Sie sieht nicht, dass er sein Objekt nicht verlieren kann, solange kein vergleichbarer Energiespender da ist. Bevor er leidet, verheizt er sie. Auch auf ihr flehen, sie nicht mehr zu kontaktieren, geht er nicht ein. Es geht Narzissten nur um sich selbst. Immer! 

Aus ihrem Tagebuch:

“Träge scheint die Sonne in mein Gesicht. Es ist Frühling. Ein paar Vögel schreien. Mich umfasst ein warmes Gefühl, an das ich mich aus meiner Vergangenheit erinnere. Mir wird schlagartig klar, was ich empfinde. Es ist Hoffnung! Zum erstenmal seit einer Ewigkeit sehe ich eine Zukunft. Die Sonne scheint auch für mich, sie scheint auch ohne ihn. Das schien vollkommen unmöglich zu sein. Ich spüre Euphorie, Freude, Kraft. Es fühlt sich gut an. Ich glaube vorsichtig daran, dass ich ohne ihn leben kann. Zum ersten Mal denke ich, dass mein Leben ohne ihn wieder gut wird. Und noch ein Gedanke kommt mir, als ich allein durch die Feldwege laufe. Dass ich Glück hatte. Unglaubliches Glück, dass er mich nicht wollte. Dass er mich nicht heiraten, mit mir leben, mit mir eine Famílie wollte. Ich komme aus der Sache heraus, weil ich frei bin, weil wir nichts Gemeinsames haben, weil ich einfach leben kann wie ich will. Er hat nie Verantwortung übernommen. Ich muss mich für ihn nicht verantwortlich fühlen, muss seine destruktive Seite nicht noch näher kennenlernen, die mich irgendwann mit Sicherheit umgebracht hätte. Er ist frei von mir und ich bin frei von ihm. Es ist als sei ich aus der Hölle zurück. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll, mein Leben aufzuräumen.”

 

Liebe Leser°innen!

Der Mangel an emotionaler Empathie schließt ein glückliches Zusammensein gänzlich aus. Diese Tatsache kannst und solltest du nicht ignorieren. Ich danke für deine Aufmerksamkeit!

Wenn du tiefer in die Materie eintauchen willst, besuche mich auf meinem Youtube-Kanal "Blickwinkel", lies oder höre meine Bücher zum Thema Narzissmus und Co, die du im Internet findest oder buche ein Coaching. Du bist nicht allein und du kommst da heraus. Den ersten Schritt hast du getan, als du meine Website aufgerufen hast. Bleib jetzt nicht stehen, sondern lass dir helfen, zu dir zurückzufinden.